Second Brain mit Claude Code: Mein persönliches Wissens-Betriebssystem

Wir leben in einer Zeit, in der Ideen und Inspirationen schneller kommen als wir sie festhalten können. Projekte laufen parallel, Research-Ergebnisse stapeln sich, und die wirklich guten Gedanken sind schon wieder verloren, wenn wir sie am dringendsten brauchen.

Die Lösung? Ein Second Brain – ein digitales Gedächtnis, das nie vergisst. Und mit Claude Code wird dieses Konzept erst so richtig lebendig.

Was ist ein Second Brain?

Die (jüngere) Idee geht auf Tiago Forte zurück: Anstatt alles im Kopf zu behalten, lagerst du dein Wissen in ein externes System aus. Nicht in irgendeinen chaotischen Ordner, sondern in eine durchdachte Struktur, die mit dir wächst.

Unser Gehirn ist hervorragend darin, Ideen zu generieren. Aber es ist notorisch schlecht darin, Informationen zuverlässig zu speichern und bei Bedarf wieder abzurufen. Genau dafür brauchen wir ein zweites Gehirn.

Forte nennt den Kreislauf CODE: Capture, Organize, Distill, Express. Sammeln, Organisieren, Destillieren, Teilen.

Warum du ein Second Brain brauchst

Der wichtigste Grund ist Entlastung. Unser Kopf ist kein Lager. Trotzdem versuchen wir täglich, Dutzende Ideen, Aufgaben, Erkenntnisse und Zusammenhänge gleichzeitig im Arbeitsgedächtnis zu halten. Das kostet enorme mentale Energie. Die Psychologie nennt es Cognitive Load; ich nenne es den unsichtbaren Ballast, der uns vom eigentlichen Denken abhält.

Ein Second Brain ist Mental Offloading in Reinform. Sobald ein Gedanke festgehalten ist, lässt er sich loslassen. Der Kopf wird frei für das, was er am besten kann: kreativ arbeiten, Zusammenhänge erkennen, Entscheidungen treffen.

Der zweite Grund: Gedanken reifen über Zeit. Eine Idee, die heute nur ein Fragment ist, kann in drei Monaten zum Kern eines neuen Projekts werden. Aber nur, wenn sie irgendwo festgehalten wurde. Ohne ein System verschwinden diese Fragmente. Mit einem Second Brain entsteht über Wochen, Monate und Jahre ein wachsender Fundus, in dem sich Ideen kreuzen, die nie gleichzeitig im Kopf waren.

Und drittens: Ein zentraler Ort für alles. Keine verstreuten Notizen in fünf verschiedenen Apps. Kein „Wo hatte ich das nochmal aufgeschrieben?“ Kein Kopieren zwischen Tools. Ein Ort. Ein System. Alles findbar.

Mein Second Brain:

Ich arbeite mit meinem persönlichen Second Brain, das ich schlicht „Brain“ nenne. Es ist der zentrale Ort für alle meine Ideen, Projekte und Research-Ergebnisse, Artikel, Read-later, Software Projekte, Digital Art Experimente und nicht zu letzt, die Brotrezepte.

Was als einfache Sammlung von Markdown-Dateien begann, ist über die Zeit zu einem lebendigen System gewachsen. Die echte Herausforderung war dabei nie das Sammeln. Sondern: das Organisieren, Verknüpfen, aktive Nutzen des gesammelten Wissens. Und das alles über Zeit aktuell und strukturiert zu halten.

Und hier kommt Claude Code ins Spiel.

Warum Claude Code das Spiel verändert

Claude Code ist ein KI-Tool, das direkt im Terminal läuft. Du gibst Anweisungen in natürlicher Sprache – es liest Dateien, durchsucht Inhalte, erstellt neue Dokumente. Klingt nach Entwickler-Tool. Ist aber ein Game Changer für jedes Second Brain.

Statt manuell durch hunderte Notizen zu navigieren, sage ich: „Zeig mir alle Notizen zum Thema Agentic AI aus den letzten drei Monaten und fasse die wichtigsten Erkenntnisse zusammen.“ Claude Code durchsucht mein gesamtes Brain, findet die relevanten Dateien und liefert eine Zusammenfassung.

Das Second Brain wird damit vom passiven Archiv zum aktiven Denkpartner.

MCP: Das Brain spricht mit der Welt

Die wirkliche Magie entsteht durch das Model Context Protocol (MCP). Dieses offene Protokoll verbindet Claude Code mit externen Diensten – Google Drive, GitHub, Datenbanken, Slack, Atlassian.

Dein Second Brain beschränkt sich plötzlich nicht mehr auf lokale Dateien. Es wird zum Knotenpunkt, der dein gesamtes digitales Ökosystem verbindet. Kursunterlagen in Google Drive, Code auf GitHub, Daten in Supabase – alles wird durchsuchbar und verknüpfbar, als wäre es Teil deines Brains (über die Security Risiken schreibe ich dann detailliert und separat).

Agent Skills: Das Brain lernt Spezialfähigkeiten

Agent Skills sind vordefinierte Fähigkeiten für spezialisierte Aufgaben. Anstatt Claude Code jedes Mal zu erklären, wie ein Rezept aussehen soll, legst du einmal einen Skill an. Ab dann: konsistente Ergebnisse auf Zuruf.

Aus Notizen werden Fachartikel. Aus Research wird ein Paper. Aus einer Idee wird Code, Aus Projektdaten wird ein Statusbericht. Das Brain speichert nicht nur – es transformiert. Aber vorallem kann ich mir verschiedene Agenten anlegen, welche verschiedene spezifische Fähigekeiten haben. Recherchieren, Schreiben, Code Reviewen, Facst checken, Housekeeping (nicht das, was du meinst), Backlog führen, Konzepte schreiben. Auf Zuruf, oder eigenständig.

Fun Fact. Neben all den zweckmässigen Agents leben auch AgentSmith und das Orakel, die sich erheiternd in meine Arbeit einmischen:

 **2026-02-12 22:32:** AGENT SMITH: Mr. Hutter... ein zweites Gehirn, hier in **brain**. Die Ironie ist... köstlich. Aber sagen Sie: Wenn Sie bereits vergessen, was Sie denken, hilft dann eine zweite Datenbank?

Automatisierung: Das Brain arbeitet im Hintergrund

Die dritte Säule: automatisierte Workflows über n8n oder Make etc.. RSS-Feeds werden überwacht, neue Inhalte automatisch dem richtigen Themenbereich zugeordnet, wöchentliche Digests generiert. Dein Brain wird gefüttert, auch wenn du schläfst. Wenn du willst.

Das Gesamtbild

Brain als Wissensbasis. Claude Code als intelligentes Interface. MCP als Brücke nach aussen. Skills als Spezialisierung. Automatisierung als Motor.

Zusammen ergibt das kein Notizsystem mehr. Es ergibt ein persönliches Betriebssystem für dein Wissen. Brain ist mein persönliche OS.

PS: Aber eigentlich ist es mein persönlicher Tech-Playground, um alle die neuen Technologien an einem Ort zusammenzuführen und hands-on zu „begreifen“. Ob das Personal OS mit AI nachhaltig ist, wird sich über die Zeit zeigen. Und auch ob es am Ende nicht mehr Mental Load produziert, als es mir abnimmt…


In den kommenden Wochen und Monaten zeige ich Schritt für Schritt, wie du so ein System aufbaust – vom technischen Seupt, der Vault-Struktur über die Einrichtung von Agents, MCP Servers und Memory. „The life of brain“.

Stay tuned. 🧠