Anthropic hat still und leise eines der spannendsten Features für Claude ausgerollt: Dispatch als Teil von Cowork, dem Desktop-Agenten von Claude. Dispatch verbindet dein Handy mit deinem Desktop zu einem durchgehenden Arbeitskanal. Du gibst unterwegs eine Aufgabe, Claude führt sie auf deinem Rechner aus. Kein Copy-Paste, kein „das mach ich später“. Einfach delegieren.
Du sitzt im Tram, öffnest Claude auf dem Handy und sagst: „Zieh mir die Zahlen aus dem Spreadsheet auf meinem Desktop und mach einen Summary Report.“ Dann steckst du das Handy weg. Wenn du im Büro ankommst, liegt das Ergebnis bereit.
Was Dispatch anders macht
Bisher war Claude eine Chat-Session. Du fragst, Claude antwortet, fertig. Dispatch verändert das grundlegend.
Claude wird zum asynchronen Assistenten. Du weist eine Aufgabe zu. Claude arbeitet im Hintergrund auf deinem Desktop. Du holst das Ergebnis ab, wenn du bereit bist. Ein durchgehender Thread, kein Session-Hopping.
Das Entscheidende: Claude hat dabei Zugriff auf deine lokalen Dateien, Slack-Nachrichten, Google Drive und alles, was auf deinem Desktop verfügbar ist. Das ist kein Chatbot mehr. Das ist ein Agent, der für dich arbeitet.
Konkrete Use Cases
Was lässt sich damit machen?
- Reporting: „Kompiliere aus den drei Excel-Files im Projektordner einen Wochenbericht.“
- Briefings: „Durchsuche meine Slack-Kanäle und E-Mails nach Updates zum Projekt X und erstelle ein Briefing.“
- Präsentationen: „Nimm die Daten aus Google Drive und formatiere eine Präsentation.“
- Datenorganisation: „Sortiere die Dateien im Download-Ordner nach Projekt.“
Du gibst die Aufgabe vom Handy. Claude erledigt sie auf dem Desktop. Fertig.
Was du wissen musst
Dispatch ist aktuell ein Research Preview. Einige Einschränkungen:
- Du brauchst einen Pro oder Max Plan.
- Dein Desktop muss aktiv sein. Claude arbeitet lokal; wenn der Laptop schläft, schläft Claude mit.
- Es gibt einen Thread. Nicht mehrere parallel.
- Keine proaktiven Benachrichtigungen. Du musst selbst nachschauen, ob die Aufgabe fertig ist.

Warum das relevant ist
Dispatch zeigt, wohin die Reise geht. Weg vom reaktiven Chatbot, hin zum proaktiven Agenten. Die Grenze zwischen „Tool benutzen“ und „jemandem eine Aufgabe geben“ verschwimmt.
Gleichzeitig sollte man die Sicherheitsfrage im Blick behalten. Wenn Anweisungen vom Handy reale Aktionen auf dem Desktop auslösen können (Dateien lesen, verschieben, löschen), dann braucht es Vertrauen in das System. Und ein Bewusstsein dafür, welche Berechtigungen man erteilt.
Für mich persönlich passt Dispatch perfekt in meinen Workflow. Ich arbeite viel mit Claude Code, habe ein Obsidian-basiertes Wissenssystem und diverse Automatisierungen laufen. Dispatch schliesst die letzte Lücke: den Moment, in dem ich nicht am Rechner sitze, aber trotzdem etwas anstossen will.
Das grössere Bild: Der Kampf um den Desktop
Dispatch kommt nicht im Vakuum. Es gibt einen regelrechten Wettlauf darum, wer den lokalen Agenten auf deinem Rechner kontrolliert.
Moltbot (ehemals Clawdbot, umbenannt nach Trademark-Streit mit Anthropic) hat über 61’000 GitHub Stars und ist der Open-Source-Liebling der Community. Ein selbst gehosteter KI-Agent, der im Hintergrund auf deinem Rechner läuft, mit über 500 Skills und 50+ Integrationen. Privacy-first, lokal, modular. Manus, der autonome Agent aus Singapur, hat 2025 auf dem GAIA-Benchmark alles geschlagen und wurde prompt von Meta übernommen. Devin positioniert sich als autonomer Software-Engineer mit Desktop-Client. Open Interpreter macht aus deinem Terminal einen KI-gesteuerten Arbeitsplatz. Und Moltbook, das Social Network für KI-Agenten (ebenfalls von Meta akquiriert), zeigt, wohin das Ganze langfristig führt: Agenten, die nicht nur für dich arbeiten, sondern untereinander kommunizieren.
Das Muster ist klar. 2025 war das Jahr der Agent-Demos. 2026 ist das Jahr, in dem Agenten tatsächlich auf deinem Rechner landen und Aufgaben übernehmen. Gartner prognostiziert, dass 40% der Enterprise-Apps bis Ende 2026 task-spezifische KI-Agenten eingebaut haben werden.
Ist Dispatch also Anthropics Antwort auf diesen Trend? Ja und nein. Dispatch ist bewusst schlanker als Moltbot oder Manus. Kein eigenes Ökosystem, keine 500 Plugins. Stattdessen: ein durchgehender Thread zwischen Handy und Desktop, nahtlos integriert in Claude. Anthropic setzt auf Einfachheit statt Feature-Overload. Das kann ein Vorteil sein, wenn die Konkurrenz an ihrer eigenen Komplexität erstickt.
Gleichzeitig zeigt der Meta-Doppelkauf (Manus + Moltbook), dass die grossen Player das Thema todernst nehmen. Wer den Desktop-Agenten kontrolliert, kontrolliert den Workflow. Und wer den Workflow kontrolliert, hat den Kunden.
Fazit
Dispatch ist noch früh. Aber die Richtung stimmt. KI-Assistenten werden nicht besser, indem sie schlauer antworten. Sie werden besser, indem sie selbständig arbeiten.
Die Frage ist nicht mehr: „Was kann Claude?“ Sondern: „Was willst du, das Claude für dich erledigt?“ Aber das weiss ich auch noch nicht. Ich werde mich an das neue Featureset herantasten. Auf alle Fälle ist es vielversprechend, mein 2nd Brain auch vom Mobile aus zu nutzen und hoffentlich auch meine Skillbibliothek von aussen anzusprechen.
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